Künstliche Intelligenz, Quantentechnologien, Digitaler Produktpass, Datenstandards und Datenräume – die großen Themen unserer Zeit landen auch auf Naira Danielyans Schreibtisch. Als Gruppenleiterin für die strategische Entwicklung für Digitale Themen bei DIN verbindet sie technologischen Wandel und Normung, Digitalisierung mit Strategie.
Zukunftsthemen früh erkennen und gestalten
„Wir beobachten und analysieren digitale Themen mit potenzieller Normungsrelevanz, schaffen rechtzeitig das Ökosystem aus Expertinnen und Experten und unterschiedlichen Sichtweisen, um zu ermitteln, welcher Normungsbedarf besteht.“ Geboren in Armenien, kommt Danielyan mit 14 Jahren als Tochter einer Wissenschaftlerin nach Deutschland. Im Studium in Saarbrücken legt sie die Grundlage für ihre spätere Laufbahn: Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik. Ihre erste Station führt sie von 2004 bis 2006 als Referentin ins Bundesministerium des Innern, wo sie an der eGovernment-Strategie „Deutschland-Online“ mitwirkt. Nach drei Jahren bei der Kommunikationsagentur Pleon wechselt Danielyan 2009 zu Fraunhofer FOKUS. Dort leitet sie unter anderem die strategische Kommunikation und das Partnernetzwerk des eGovernment-Labors mit über 80 Partnern aus Industrie und Verwaltung. 2016 gründet Danielyan ihre eigene Digitalagentur, ein Fraunhofer-Spin-off. Für ihre Arbeit erhält Danielyan mehrfach Auszeichnungen im Bereich digitale Transformation. Parallel lehrt sie an der Technischen Universität Berlin als Gastdozentin Digitalisierung und Innovationsmethoden.
Seit 2025 ist sie bei DIN. Ihre Themen lesen sich wie ein Fahrplan in die technologische Zukunft. „Unsere Kernaufgabe ist es, alles, was von außen kommt, zu routen und die Normung darauf vorzubereiten“, sagt sie. Das Ziel: Wirtschaft und Gesellschaft schnell mit Orientierung versorgen. Bei Quantentechnologie beispielsweise sollen Standards helfen, Insellösungen zu vermeiden. Danielyan und ihr Team organisierten im Dezember 2025 den Workshop „Scaling Quantum“ gemeinsam mit der Eclipse Foundation, um Open-Source-Perspektiven in die Standardisierung einzubringen. „Viele deutsche und europäische Unternehmen können nicht isoliert mit großen Hyperscalern konkurrieren“, sagt Danielyan. „Aber durch Kollaboration und gemeinsame Standards entfalten sie ihr Potenzial im Verbund, so stärken wir die internationale Wettbewerbsfähigkeit und schaffen Marktzugang.“
„Ich bin ein ziemlicher Nerd und habe mir eine eher agile, technische Denkweise angewöhnt – pragmatisch, aber immer nutzerorientiert."
Naira Danielyan, Gruppenleitung Digitales, Abteilung Strategische Themenentwicklung
Normung Digitalisierung: Wo Schnittstellen Normungsbedarf schaffen
Ein anderes aktuelles Projekt ihres Teams ist GenAI4ZfP. Gemeinsam mit DIN Solutions und Projektpartnern entwickeln Danielyan und ihr Team einen ZfP-Copiloten. ZfP steht für „Zerstörungsfreie Prüfung“ – Verfahren, mit denen Bauteile auf Risse oder Materialfehler untersucht werden, ohne sie zu beschädigen. Unverzichtbar in sicherheitskritischen Branchen wie Luftfahrt oder Automobilbau. Die KI-gestützte Anwendung soll Prüfer*innen künftig von der Planung bis zur Berichterstellung unterstützen und ihnen Norminhalte flexibel und bedarfsorientiert bereitstellen. Welche Themen werden künftig wichtiger? „Mich faszinieren vor allem die Schnittstellen. Der Digitale Produktpass zum Beispiel funktioniert nur, wenn er gemeinsam mit einer digitalen Qualitätsinfrastruktur gedacht wird. Sobald Verwaltung, Regulierung und Industrie digital miteinander arbeiten, stellt sich sehr schnell die Frage der Digitalen Souveränität. Genau an diesen Übergängen entsteht Normungsbedarf. Auch Künstliche Intelligenz lässt sich nicht mehr isoliert betrachten, sondern muss sektorenbezogen mitgedacht werden.“



