Zink zirkulär

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Heute spielt das Verzinken von Stählen eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, Stahl gegen Rost zu schützen. Dass der Einsatz von Zink ein Enabler für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft ist, davon ist Lars Baumgürtel überzeugt. Der Chef der ZinQ GmbH & Co. KG denkt so sehr in zirkulären Kreisläufen, dass einem fast schwindelig wird. Wie gut, dass er weiß, wovon er spricht, und dass sein Geschäftsmodell Hand und Fuß hat – auch, weil sein Unternehmen sich in der Normung engagiert.

Wäre er verzinkt, er müsste nicht regelmäßig mit Rostschutzfarbe gestrichen werden. Die Rede ist vom Eiffelturm, jenem 324 Meter hohen Wahrzeichen, das seit 1889 die Silhouette von Paris prägt. Lars Baumgürtel kommt ein wenig ins Schwärmen, wenn er sich vorstellt, was hätte sein können, hätte Gustave Eiffel damals über die technischen Möglichkeiten des Feuerverzinkens von heute verfügt. Hat er aber nicht: Der Eiffelturm ist nicht verzinkt und deshalb heißt es alle sieben Jahre für 25 Kletterspezialist*innen, 18 Monate lang insgesamt 60 Tonnen Rostschutzfarbe auf wirklich jede Strebe und über jede Niete des 7.300 Tonnen schweren Stahlkolosses zu streichen.

Eintauchen, um zu bleiben

Im Jahr 2021 wurden weltweit 13,8 Millionen Tonnen Zink produziert. Rund die Hälfte davon dient dem Schutz von Stahl vor Rost und Korrosion. Mit Zink – oder besser gesagt mit verzinkten Stahloberflächen – ist jede und jeder von uns schon einmal in Berührung gekommen: Maschinen, Geländer, Stahlträger – damit der verbaute Stahl nicht korrodiert, werden die einzelnen Stahlteile vor dem Einbau verzinkt. Und wer vom Verzinken spricht, kommt an der ZinQ GmbH & Co. KG nicht vorbei. Jährlich 700.000 Tonnen Stahl verarbeitet das Unternehmen mit seinen mehr als 2.000 Mitarbeiter*innen an insgesamt 50 Standorten in Deutschland, Frankreich, den Benelux-Ländern und in Polen.

Zink gebrauchen vs. Zink verbrauchen

Wer an das Verzinken von Stahl denkt, der denkt zunächst an großindustrielle Prozesse und an einen hohen Ressourceneinsatz. Bei ZinQ denkt man nicht nur weiter, man denkt zirkulär. Die Produkt- und Prozesscharakteristik der Feuerverzinkung bietet einen hervorragenden Ansatz, denn hier werden die eingesetzten Metalle Stahl und Zink nur gebraucht und nicht verbraucht. Beide Metalle lassen sich unendlich oft in hoher Qualität recyclen. „Feuerverzinkte Oberflächen leisten im Rahmen des Lebenszyklus-CO2-Managements einen positiven Beitrag zur Klimaneutralität“, sagt ZinQ-Geschäftsführer Lars Baumgürtel.

Bereits seit 2010 beschäftigt sich ZinQ – damals noch als Voigt & Schweizer GmbH Co. KG – mit den zirkulären Eigenschaften des Metalls Zink. 2013 hat sich das Unternehmen nach den Cradle-to-Cradle-(C2C-)Standards zertifizieren lassen. Grundgedanke ist, Produkte derart zu entwickeln und herzustellen, dass sie an ihrem Lebenszyklusende voll wiederverwertbar sind. Genutzt werden Materialien, deren Einsatz in ihrer ursprünglichen Form für Mensch und Natur unbedenklich ist. Zink ist solch ein Material. Bei konsequenter Umsetzung entsteht kein Abfall, alle Materialien verbleiben in biologischen oder technischen Kreisläufen. Baumgürtel: „Wir haben kontinuierlich im Hinblick auf C2C investiert und Technologien, Stoffe sowie deren Einsatz und Wiederaufbereitung optimiert. Dieses Zertifikat ist ein Erfolg für unser Engagement in Sachen Nachhaltigkeit.“ Heute ist das Unternehmen dabei, seine komplette Wertschöpfungskette auf Kreislaufwirtschaft auszurichten – und das gemeinsam mit Mitarbeiter*innen, Lieferant*innen und Kund*innen.

ZinQ-Geschäftsführer Lars Baumgürtel tut alles, damit die Produktion seines Unternehmens – das Verzinken von Stählen – kreislauffähig wird.
Und das Potenzial ist enorm: Bei konsequenter Umstellung vom linearen zum zirkulären Wirtschaften prognostizieren Studien für die Großindustriesektoren Stahl, Aluminium, Kunststoff und Zement ein CO2-Einspar-Potentzial von 56 Prozent bis zum Jahr 2050. In absoluten Zahlen ist das eine Verringerung von 530 auf 234 Millionen Tonnen CO2. Baumgürtel: „Der größte Hebel ist hier die konsequente Wiederverwertung und -verwendung von Materialien und Produkten. Allein das trägt rund 60 Prozent zu den Einsparungen bei.“

Willkommen auf Planet ZinQ

Baumgürtel und sein Team investieren sehr viel in dieses Streben. Unter dem Motto „Planet ZinQ – Effizienz und Effektivität verbinden“ bündelt das Unternehmen all seine Aktivitäten aus den Bereichen Innovation, soziale Verantwortung und Nachhaltigkeit. Das Schließen der Materialkreisläufe bei der C2C-Zertifizierung, die Rücknahme von altverzinktem Stahl, bei ZinQ heißt das ReZinQ, das Dekarbonisieren von Prozesswärme, die Einführung von Produktpässen mit der damit verbundenen Möglichkeit, CO2-Gutschriften zu erstellen, all das soll das ZinQ-Geschäftsmodell auf neue Beine stellen. „Mit all diesen Maßnahmen wollen wir die Ziele des EU-Green-Deals erreichen: No Carbon, No Waste, No Pollution“, sagt Baumgürtel.
Was die ZinQ-Kund*innen davon haben? ZinQ bilanziert seit 2021 auf Grundlage von Umweltproduktdeklarationen (Environmental Product Declaration – EPDs) und kann den klimapositiven Saldo der Treibhausgasemissionen über den Produktlebenszyklus und die damit erzielten Einsparungen auf CO2-Konten der Kund*innen gutschreiben. „Ziel ist, dass Kaufentscheidungen für zirkuläre Produkte wie Cradle-to-Cradle-zertifizierte Zinkoberflächen künftig unter Einbezug aller Umweltauswirkungen kompensiert, also belohnt, werden. Dieses ‚True Pricing‘ ist nicht nur fair im Sinne des Wettbewerbs, sondern auch notwendig, um externalisierte Umweltkosten zu internalisieren. Diese wurden bisher vergemeinschaftet und müssen den Produkten zugerechnet und mitbepreist werden“, so Baumgürtel. „Es geht um die einheitliche Lebenszyklus-Bepreisung auf Grundlage von Produktpässen, die mit drittvalidierten Daten aus Umweltproduktdeklarationen oder auch dem in Normung befindlichen Product Circularity Data Sheet – kurz PCDS – gefüllt werden.“ Die Produktpass-Daten ließen sich für einen erweiterten Zertifikatehandel für Verschmutzungsrechte nutzen – eine sinnvolle Erweiterung für den bewährten EU-Emissionshandel mit CO2-Zertifikaten. „Politik und Wirtschaft sollten gemeinsam den Mut haben, vorhandene Regulatorik, eingeführte oder kurz vor Einführung stehende Normen und Instrumente zu nutzen und weiterzuentwickeln, um die Transformation hin zu einer zirkulären Wirtschaftsweise anzureizen und umzusetzen.“

„Mit all diesen Maßnahmen wollen wir die Ziele des EU-Green-Deals erreichen: No Carbon, No Waste, No Pollution.“

Normung ordnet

Das alles funktioniert nur, wenn alle Akteur*innen entlang der Wertschöpfungskette nach den gleichen Spielregeln zusammenarbeiten. Deshalb bringt ZinQ sich mit seinen Erfahrungen ein, wenn es um die Ausgestaltung grundlegender Ordnungsrahmen geht – und das nicht nur bezogen auf die Kreislaufwirtschaft. So arbeitet das Unternehmen aktiv im DIN-Arbeitsausschuss NA 062-01-75 AA mit dem Titel Schmelztauchüberzüge mit, aus dem die Norm DIN 50997 für das Stückverzinken hervorgegangen ist. Die DIN 50997 beschreibt die Anforderungen an Eigenschaften und Prüfungen von Zink-Aluminium-Überzügen.

In Sachen Zirkularität ist ZinQ bei der Erstellung des bereits erwähnten PCDS mit an Bord. Die Grundlage hierfür wurde in Luxemburg entwickelt und auch von dort in die internationale Normung eingebracht. Das PCDS liefert Daten zu den zirkulären Eigenschaften von Produkten und deren Produktionsprozess, etwa Grenzwerte zu chemischen Inhaltsstoffen, Materialgesundheit und Gefahrenklassen, Reparier- und Demontierbarkeit, Recyclingfähigkeit und konkrete Wiederverwertung in geschlossenen Stoffkreisläufen. „Wir sind von Beginn an in die Erstellung des PCDS eingebunden“, sagt Baumgürtel. „Wir brauchen diesen marktwirtschaftlichen Ordnungsrahmen. Kund*innen, egal in welchen Industrien, müssen die Option haben, verlässlich zirkuläre Produkte kaufen zu können. Deshalb spielt die Normung hier so eine wichtige Rolle.“

Und mit dem von der Europäischen Kommission 2019 ins Leben gerufenen European Green Deal wird einem normativen Ordnungsrahmen eine noch viel größere Bedeutung zuteil. Baumgürtel: „Der Green Deal kann eine Urgewalt entfachen. Es geht dabei um nicht weniger als um die Art und Weise, wie wir in gesamten Lieferketten verantwortungsvoll wirtschaften. Wir sind nur dann zukunftsfähig, wenn wir uns vom Ressourcenverbrauch abkoppeln und unsere Prozesse und Produkte auf eine zirkuläre Wirtschaftsweise umstellen. Eine auf Nachhaltigkeit getrimmte Kreislaufwirtschaft in allen Bereichen ist also unser Schlüssel zum Erfolg.“ Ein Ansatz, der ganz nebenbei 1.200 Tonnen Rostschutzfarbe eingespart hätte, wäre der Eiffelturm verzinkt.

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